Fernweh

Am 29ten Oktober 2020 starb mein Freund Thilo in Tansania – kurz bevor wir uns in Äthiopien zu unserem Nilprojekt treffen wollten, recherchierte ich zu Flüchtlingsnarrativen in Italien. Nach Dan Eldon (Somalia 1993), Ken Oosterbroek (Südafrika 1994), Kevin Carter (Südafrika 1994), Tim Hetherington (Libyen 2011), Marie Colvin (Syrien 2012), Anja Niedringhaus (Afghanistan 2014) und Karsten Thielker (BRD 2020) war Thilo Thielke einer der letzten meiner Generation, mit denen ich seit Ende der 80er Jahre zusammenarbeitete – wir wollten hinaus in die Fluten, so wie die meisten. Daraus wurde eine Reise um den Erdball. Wie ein Mayi-Mayi, einer jener magischen Krieger, die an mehreren Orten zur gleichen Zeit erscheinen, ziehen die Gesichter der Toten vorbei: shooting ghosts

„refusing heaven – reconstruction of the world“, Liberia | Italien – 2004 | 2020
Siebdruck und Skriptol auf coloriertem FB-print – 30x40cm

Photonews Forum

Andrew Miller – Die Optimisten


Weißt du wirklich, was wir gesehen haben? 

Damals war ihm die Frage ungeheuerlich und die Antwort einfach erschienen. Er hatte die Belege in Ektachrome und auf TRI-X. Er konnte sie anfassen, damit umgehen; sie gehörten ihm. Aber zu wissen was sie bedeuteten – war das nicht der Sinn von Silvermans Frage? Nicht was sie waren, sondern was sie bedeuteten?

Die Gestalt, die Clem sich als Erzähler aussuchte, war der Mann, der mit bedecktem Kopf hinten auf dem Floß saß, der Philosoph mit dem Leichnam des jungen Mannes quer über seinen Beinen. Bald wird sein Hunger seinen Widerwillen überwinden, und er wird an den Knochen des toten Jüngling nagen, auf diejenigen losgehen, die sie ihm zu stehlen versuchen. Längst sucht er den Horizont nicht mehr ab: er kann den Gedanken nicht ertragen, daß sie womöglich gerettet werden.

Er rieb sich etwas Wärme in die Finger, dann nahm er die drei Dias – Odette, den Bourgmestre, die Klassenzimmerwand – aus der Brieftasche und drückte sie sanft in den Schnee zwischen den Stiefeln, wie auf die weiße Seite eines Albums.


Die Optimisten

We are witnessing a crime against humanity – Arundhati Roy



There are markets for other things, too. At the bottom end of the free market, a bribe to sneak a last look at your loved one, bagged and stacked in a hospital mortuary.
A surcharge for a priest who agrees to say the final prayers. Online medical consultancies in which desperate families are fleeced by ruthless doctors. At the top end, you might need to sell your land and home and use up every last rupee for treatment at a private hospital. Just the deposit alone, before they even agree to admit you, could set your family back a couple of generations.

This time around, although there is no national lockdown, the workers have left while transport is still available, while trains and buses are still running. They’ve left because they know that even though they make up the engine of the economy in this huge country, when a crisis comes, in the eyes of this administration, they simply don’t exist. This year’s exodus has resulted in a different kind of chaos: there are no quarantine centres for them to stay in before they enter their village homes. There’s not even the meagre pretence of trying to protect the countryside from the city virus.

These are villages where people die of easily treatable diseases like diarrhoea and tuberculosis. How are they to cope with Covid? Are Covid tests available to them?
Are there hospitals? Is there oxygen? More than that, is there love? Forget love, is there even concern? There isn’t. Because there is only a heart-shaped hole filled with cold indifference where India’s public heart should be.


No, India cannot be isolated. We need help.

The Guardian

may 2021

Flora – may 27th

for Henri and Moshe – may 26th

may 25th

may 19th

may 16th

diary – may 15th


Its been twenty years since the original Fuck You Heroes was published. A lot of things have changed in our culture, politics, and planet at large. Did any of us think then these cultures would become the standard-bearers? That they would remain standing to this day as they have? Hell no! Nor arguably, did we want them to. Getting radical is something done with immediacy. Yelling at the top of your lungs to influence change is an ideal derived from inspiration and confidence that someone is listening. How is change effected by us? Skaters, punks, the culture of hip-hop, are still to this day seen by the mayority of the population as rebellious. The consciousness of generations now have been influenced, inspired, and realigned, there is no denying this truth. Only a small portion of the uninitiated may not understand. These folks, have done something. Something good. What the fuck have you done?

Glen E. Friedman – My Rules

may 11th

potatoes under appleblossom – may 7th

may 5th
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Graham Greene – Unser Mann in Havanna



„Bis der Krieg kam.“
„Aber ich habe geglaubt, Sie sind Arzt.“
„Das bin ich später geworden. Als der Krieg vorbei war. Nachdem ich einen Mann getötet hatte. Man tötet einen Mann – das ist so einfach“, sagte Dr. Hasselbacher, „dazu braucht man kein Können. Man ist sich dessen sicher, was man getan hat, man kann den Tod erkennen, aber einen Menschen retten – dazu braucht man über sechs Jahre Ausbildung, und am Ende kann man sich nie ganz sicher sein, was ihn tatsächlich gerettet hat. Keime töten andere Keime ab. Die Menschen überleben einfach. Ich kenne keinen einzigen Patienten, von dem ich sicher weiß, daß ich ihn gerettet habe, aber der Mann, den ich getötet habe – den kenne ich. Er war Russe und sehr mager. Als ich den Stahl hineinstieß, kratzte er gegen die Knochen. Es ging mir durch und durch. Ringsum waren nur Sümpfe, und sie nannten es Tannenberg. Ich hasse den Krieg, Mr. Wormold.“

Man kann Statistiken drucken und die Bevölkerung nach Hunderttausenden zählen, aber für jeden Menschen besteht eine Stadt aus nicht mehr als ein paar Straßen, ein paar Häusern, ein paar Menschen. Wenn dieses Wenige entfernt wird, existiert eine Stadt nur noch als ein Schmerz in der Erinnerung wie der Phantomschmerz in einem amputierten Bein. Es war an der Zeit, dachte Wormold, seine Sachen zu packen und die Ruinen von Havanna zu verlassen.



Unser Mann in Havanna

upcoming – Generation´92: zaboravljena djeca rata



Vergessene Kinder des Krieges, wie sie sich selbst nennen: Diese Reportage widmet
sich zur Gänze der Gegenwart. 1992 erreichten die Massenvergewaltigungen im Bosnienkonflikt ihren traurigen Höhepunkt. Dreißig Jahre danach sollen die einstigen Mädchen, die Frauen, aber auch die Kinder der Vergewaltigungsopfer, deren Geschichten in der Willkür eines bestialischen Konflikts ihren Anfang nahmen und
im Hier-und-Heute umso schmerzhafter nachhallen – sie sollen zu Wort kommen:
in Porträts, Gesprächen, Erzählungen, Fotografien.


In der Vereinigung dieser drei Ansätze sehen die Autoren dieser Reportage einen Glücksfall, ermöglicht diese es doch, sich den Schrecken und ihren Folgen von verschiedenen Seiten aus zu nähern und dabei als Korrektiv des jeweils anderen zu fungieren. Für die Ausarbeitung des Materials – sowohl des recherchierten als auch
vor Ort eruierten – wählen wir absichtlich eine hybride Form, die dokumentarische Literatur, klassischem Journalismus und gesellschaftswissenschaftlichen Anspruch verschränkt – weil hier ein Thema aufbereitet wird, welches nicht mehr zulässt
außer Grenzgänge und Gratwanderungen.


Darija Davidović – Recherche, Text
Marko Dinić – Konzept, Text
Wolf Böwig – Fotografie, Collage

Ich – Selbst

In meinen fotografisch-dokumentarischen Arbeiten (1992–2020) habe ich mich eingehend mit zahlreichen Krisenregionen in Asien, Afrika und Europa befasst. Dabei habe ich in den vergangenen Jahren einen geographischen Bogen vom Indischen Subkontinent über die Region Pakistan und Afghanistan bis hin zum Balkan betont. Ein Großteil dieser Arbeiten – on isolation: fragmented peripheries – zielt darauf ab, die historischen wie gegenwärtigen Zusammenhänge von Gewaltereignissen, Raumordnungen und Migrationsphänomenen fotografisch und im Medium der künstlerischen Collage sichtbar zu machen. Den entstehenden Objekten kommt dabei zugute, dass ich mich über die Jahre hinweg wiederholt in den entsprechenden Regionen aufgehalten habe und mit mehreren Bildschichten arbeiten kann

Photonews Forum

Graham Greene – Ein ausgebrannter Fall




“Sagen Sie ihm, daß es mehr gibt als die Wahrheit“, sagte Parkinson. „Das ist eine Seite der Geschichte der Neuzeit. Glauben Sie wirklich, daß Caesar gesagt hat: Et tu, Brute? Das hätte er rufen sollen, und jemand, der zufällig dabei war – der alte Herodot, nein, das war der Grieche, nicht wahr, es muß ein anderer gewesen sein, vielleicht Sutton, hat gemerkt, was nötig war. Die Wahrheit wird immer vergessen. Pitt hat auf dem Sterbebett Schinkenpasteten von Bellamy verlangt, aber die Geschichte hat das geändert
“


Ein ausgebrannter Fall

Fjodor Dostojewski – Schuld und Sühne



Ich liebe es sogar, wenn man so vor lauter Eifer lügt. So ein Lügen ist das einzige menschliches Privilegium vor allen anderen Lebewesen. Wenn du so lügst, wirst du dich schon zur Wahrheit durchkrabbeln. Ich bin ja darum Mensch, weil ich lüge, das heißt fantasiere. Keine einzige Wahrheit ist erreicht worden ohne das man vorher vierzigmal oder auch vielleicht hundertvierzigmal gelogen hat. Und das ist in seiner Art höchst ehrenvoll. Wir aber verstehen nicht einmal aus eigener Fantasie zu lügen. Lüge mir vor soviel du willst, aber lüge in deiner Weise


Schuld und Sühne

april 2021


bookshelf in the making – april 30th

april 28th

Die Kunst des Zeichnens – Comic, Manga, Fantasy – april 27th

Die Geschichte der Francine R. – Widerstand und Deportation – April 1944 | Juli 1945 – april 25th



tulip, bread, wild garlic – april 24th

april 23rd

april 22nd
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Thilo´s funeral – Hannover; march 26th


… the square top of Kilimanjaro is wide as all the world; it is incredibly white as it
shines dazzlingly in the sunlight – and suddenly he knows that is where he is bound.

Ernest Hemingway

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