“Weihnachten ist, wenn Flüchtlinge gerettet werden” – von Heribert Prantl

“Der Retter ist da”, heißt es im Weihnachtslied. Aber es stimmt nicht. Es gibt keinen Retter für die Flüchtlinge auf Lesbos, es gibt keinen Retter für die 43.000 Flüchtlinge, die seit August in Griechenland angekommen sind. Ein paar Regierungen der Europäischen Union spenden dünne Decken, aber keine starke Hilfe.

Auf Lesbos, in Europa also, versinken die Flüchtlinge im Dreck und in der bewussten Untätigkeit der europäischen Regierungen. Die Helfer von Ärzte ohne Grenzen und anderen Organisationen sind der Not nicht mehr gewachsen. Sie berichten vom unglaublichen Elend, sie berichten vom Grauen; sie berichten von Kleinkindern, die ihren Kopf auf den Boden schlagen, die sich das Haar ausreißen und sich in die Arme beißen. Sie berichten von immer mehr Suizidversuchen verzweifelter Menschen.

An diesem Wochenende holen viele von uns die Kiste mit den Krippenfiguren wieder aus dem Schrank. Wir wickeln Maria und Josef, das Christkind, die Schafe, den Ochs und den Esel aus dem Zeitungspapier des Vorjahres. Die Krippe wird aufgestellt. Ich meine: Der Stall zu Bethlehem – er stünde heute auf Lesbos. Oder er wäre eines der Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer. Die Heiligen Drei Könige kämen heute im Rettungsboot.

NDR Info, 22.12.2019

Prevent and Punish Rohingya Genocide in Myanmar

 

The Gambia vs. Myanmar hearings concluded on December 12, 2019 at the International Court of Justice (ICJ) in The Hague.  The request for provisional measures is currently being considered by the Judges of the ICJ. 

The Rohingya people are grateful for the opportunity that Gambia has afforded the Rohingya people to have had a proverbial “day in court” after decades of facing genocide and crimes against humanity with absolutely no access to justice in their ancestral homeland of Burma/Myanmar. Regardless of the outcome, the Rohingya will continue to advocate that impunity on all levels is addressed and that we are allowed to return home in a safe, dignified, and voluntary manner. 

Arakan Rohingya National Organisation

upcoming – Chorāsān expanded: a conflict archive

Durch die über Jahrzehnte hinweg erfolgten Reisen in die Kerngebiete meiner Arbeit – das vordere Asien vor allem von Afghanistan bis nach Indien; Indonesien und Osttimor; der Balkan und die Ukraine; das mittlere Afrika und hier vor allem Sierra Leone und Liberia – beinhaltet mein Archiv jeweils mehrere Zeitschichten der einzelnen Krisenregionen. Neben den Konflikten selbst sind es vor allem deren Nachwirkungen, Spuren und Spätfolgen, die ich zum Thema mache. So überkreuzen sich verschiedene Zeitebenen in meiner Wahrnehmung und Aneignung, die ich in meinen Arbeiten zum Ausdruck bringen möchte: meine eigene Geschichte mit diesen Regionen (introspektiv), die Entwicklung von Konflikt- und Postkonfliktgesellschaften (prospektiv) und die Gleichzeitigkeiten von Gegenwart und Vergangenheit (retrospektiv).

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Schutzzone – Nora Bossong

Wo bist du gewesen?, fragte ich.

Weißt du es, sagte Darius, wo ich überall war in den drei Tagen? Ich war in Genf, ich war in Ruanda, ich war im Kopf von Kagame, ich war in Deutschland. Man hat mir gesagt, in jener Straße habe kein Massaker stattgefunden so früh im April, nicht da, nicht zu dem Zeitpunkt, aber vom Fenster meiner Wohnung aus konnte ich es sehen, eines der ersten, sie haben den Männern die Achillissehne durchgeschossen, damit sie nicht fliehen konnten, und dann haben sie sie hingerichtet, einige mit den Gewehren, andere mit Macheten, Schlag in den Nacken, oder habe ich die Szene erst später aus den Bildern und Beschreibungen zusammengesetzt, denke ich erst jetzt, dass da ein Junge lag, habe ich das nur später erzählt bekommen, und ich meine bloß, mich zu erinnern?

Schutzzone

und wir kamen jeden Sommer – Elona Beqiraj

sie haben uns

die häuser genommen

und daraus

ruinen gemacht.

exil#1

but baba,

i, myself,

belonged nowhere.

dear baba

 

Lesung am 12.12.2019 – im Herzblut Hannover, 7.30pm

und wir kamen jeden Sommer

 

Bagdad Marlboro – Najem Wali

Die beiden dachten an nichts Böses und nahmen die Einladung an. Man setzte sich an einen mit leckeren Dingen gedeckten Tisch. Die Schüssel mit Tarîd stand direkt vor ihnen, und der Gastgeber drängte sie zuzulangen. Der Onkel griff tief in die Schüssel – und zog eine menschliche Hand heraus. Jawohl, die abgeschnittene Hand eines Menschen, die unter dem mit Brühe getränkten Brot lag.

Bagdad Marlboro

SIGNUM MORTIS

VG Bild-Kunst Publikationsreihe

-Doppelheft, Offsetdruck vierfarbig, 30x38cm, verschiedene Papiere, Drahtheftung, gelaserte Perforation

-112 Seiten

-Auflage 150, signiert

-40€ plus Versand

Kontakt:

Wolf Böwig, Gehrdener Strasse 16, 30459 Hannover

wboewig@gmx.de

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“Über Gewalt berichten” – 7.-9. November, Generalsynode Dresden

Mit Bildern des Fotografen Wolf Böwig beschäftigten sich die Synodalen im Rahmen eines Workshops. Die Ausstellung, die dabei entstand, wurde am Nachmittag eröffnet. Der Leitende Bischof Ralf Meister würdigte Böwig, der seit drei Jahrzehnten Krisengebiete vornehmlich auf dem Balkan, in Afrika und auf dem indischen Subkontinent bereist, als einen „Wanderer in der Geschichte auf den Spuren der Gewalt“. Er zeige in besonderer Weise Bilder des Jüngsten Gerichts. Böwig selbst versteht seine Arbeit als Angebot zum Dialog, der der einzige Weg zum Frieden sei, wenn man das Ende der Sprache als Beginn der Gewalt verstehe: „Meine Bilder sind auch eine Aufforderung, sich einzusetzen für liberale Demokratie und Meinungsfreiheit.“

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