dark odyssey 1445

Ernst Böwig – 09.09.1914 | France
Wilhelm Böwig – 28.10.1914 | Belgium
Franz Böwig – 17.07.1915 | unknown
Louis Böwig – 21.04.1916 | France
Hermann Böwig – 28.09.1916 | unknown
Wilhelm Böwig – 16.03.1917 | unknown
Erich Böwig – 13.06.1918 | unknown
Günter Böwig – 09.07.1942 | Egypt
Ernst Paul Böwig – 10.08.1943 | Ukraine
Rudolph Böwig – 05.09.1944 | Belgium
Otto Böwig – 14.09.1944 | Italy
Walter Böwig – 18.12.1944 | Germany
Ernst Joachim Böwig – 08.01.1945 | Hungary


Maiorem hac dilectionem nemo
habet ut animam suam
quis ponat pro amicis sui

War Memorial Braunschweig-Stöckheim

 

 

Gabriel García Márquez – One Hundred Years of Solitude


Then he made one last effort to search in his heart for the place where his affection had rotted away, and he could not find it.

Hundert Jahre Einsamkeit

 

lost and found:

NZZ, 4|5 Februar 2006



Wir hatten inzwischen Manfred Jacobs getroffen, Mitarbeiter einer namibischen NGO, die sich um die Umsetzung der Landreform kümmert. Manfred war für eine Sitzung nachWindhoek gekommen, arbeitete sonst aber an einem Wiederansiedlungsprojekt im Norden. Nun sass er im Aufenthaltsraum einer einfachen christlichen Herberge und erzählte, was er vom Thema Landreform in Namibia hält: nicht viel. Eigentlich sogar überhaupt nichts. Die Regierung versage. Sie investiere in eine Idee, die sie nicht verwirklichen könne. Manfred erzählte von den Zuständen in den von ihr betreuten Siedlungen. Die Menschen haben zwar Land aus weissem Besitz erhalten, aber es fehlt ihnen jegliches Wissen, um ein Grundstück zu bebauen. Die Regierung sollte sie unterstützen, kann aber nicht, weil sie alle Mittel in den Aufkauf neuen Landes investiert. Ehe eine defekte Wasserpumpe repariert werde, verstrichen oft
Wochen; in dieser Zeit sei die Ernte vertrocknet. Die Produktivität der unter weisser Hand einst blühenden Farmen sinke praktisch auf null. Schliesslich werde wieder Landwirtschaft betrieben wie vor hundert Jahren: von der Hand in den Mund. Wie soll das Land da überleben? Manfred klang resigniert, und er liess keinen Zweifel daran, dass er in seine Analyse auch die Zukunft von Ongombo West einschloss. – Manfred ist kein Weisser; er kritisierte seine eigene Regierung


Ein Bauernopfer ?

SIGNUM MORTIS | 40.555


Wenn das dokumentarische Potenzial von Fotografien nur soweit reicht wie das Licht, müssen wir sie als Kunst gestalten, um unsere Wahrnehmung durch das unsichtbar Bleibende traumatischer Gewalt affizieren zu lassen

Habbo Knoch




Der Fotograf hat den Mut zur Größe, um das Leid der Geflüchteten unübersehbar zu verdeutlichen. Dabei benutzt er Elemente der Plakatwerbung, verwandelt seine Botschaften aber in eine überzeugende künstlerische Ausdrucksform. Die gestalteten Fotos, Tabellen und Texte sprechen für sich, zeigen Fakten und vermeiden jegliche Form von einseitiger politischer Propaganda


Welt-in-Hannover.de


This exhibition in Hannover is a timely reminder of how priveleged we are in central Europe to live without first hand experience of the terror and hopelessness of armed conflict. As one of the leading documentary journalists and photographers of our generation, Wolf Böwig has repeatedly captured the tragedy of war in multiple conflicts from the Balkans to Afghanistan and Africa. These installations in Hannover serve as a sobering backdrop in our festive season.

Ken Fouhy


Lieber Wolf,

Die Ausstellung hat eine eigene Ausstrahlung; der Weiße-Kreuz-Platz auch als Herberge für viele Zurückgelassene in unserer Gesellschaft, verstärkt den Eindruck einer unkonventionellen und hoch engagierten Dokumentation.

Wir alle pflegen Lippenbekenntnisse gegen Gewalt, Terror, Zerstörung; am direkten Ort des Geschehens, sich den schrecklichen Szenen zu stellen, den Opfern dabei eine Darstellung zu geben ist ein hochmutiger Schritt, den Sie als Fotograf immer wieder auf sich nehmen, den auch mein Sohn nie gescheut hat, um zu verweisen auf Unrecht, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzung- auf dem Balkan oder irgendwo auf der Welt.

Eine Bild-Text-Dokumentation, die sich so selbstverständlich in die Öffentlichkeit schiebt, den Blickkontakt herausfordert und Schrecken nicht verbirgt, authentisch zeigt, was erlitten, was zerstört, wie gestorben wird und wieviele Opfer es gibt, wird für den Betrachter verstörend sein in dieser Direktheit. Vielleicht kann sich Erkenntnis ableiten, ein politische Haltung berührt werden, an der es so oft fehlt.
Für mich hat sich die Art und Weise der Präsentation auf der offenen Bühne eines Stadtteilplatzes richtig angefühlt und hoffe auf viele wache Betrachter.

Und ich danke Ihnen für das Licht, was an meinen Sohn erinnert.

Lieber Wolf, möchte Ihnen die eine Flasche Rotwein geben , die Thilo aus einem seiner Einsätze aus Mostar mitgebracht hat. Wir mochten sie nie trinken, weil so viele Erinnerungen vorhanden waren. Wenn Sie mal kommen in die Güntherstrasse, steht sie von Thilo für Sie bereit.

Danke für Ihre Einladung, danke für Thilos Gedenken.

Schicke Ihnen liebe Grüsse

Annette Thielke



Lieber Wolf,


Ich erkenne in ihrer schönen, verständigen Beschreibung meinen Eindruck Deiner Ausstellung auf dem Weißkreuzplatz sehr genau wieder. Diese dringliche Zumutung, die dennoch die Bedrängung vermeidet, die Sichtbarmachung anderer Leben unter sehr anderen Bedingungen, die Sichtbarmachung auch von Hoffnungen und deren Scheitern und unserem unrühmlichen Anteil an letzterem. Das Wetter, der Regen, die beiden Flammen für Deine gestorbenen Freunde. Die Zeugenschaft, der man sich stellen muss. Unsere Begegnung hat mich noch lange beschäftigt und ich war sehr dankbar, dass ich durch Dein großzügiges Geschenk die Möglichkeit hatte, in Deine Erzählungen weiter einzutauchen und jedes Mal aufs Neue Weiteres zu entdecken, andere Schichten freizulegen. Gleichwohl war und bin ich tief erschüttert und sehe mein eigenes Dasein und Leben, meine Kämpfe angesichts Deiner Begegnungen und dessen, was Du dokumentierst, massiv in Frage gestellt. Es ist nicht einfach, sich davon frei zu machen. Welche Gespräche scheinen noch möglich angesichts der Tragödie, die sich andernorts abspielt und in die wir so verstrickt sind. Gerade wenn ich wieder die Berichte aus Bosnien sehe – ich erstarre. Dabei hat Deine Arbeit tatsächlich auch etwas Tröstliches, es ist nicht leicht zu beschreiben, wodurch dieses Gefühl ausgelöst wird.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass Du die Parallelitäten unterschiedlicher Welterfahrung zulässt, mehr noch, dass Du sie thematisierst und aufzeigst, dass die eigene Welterfahrung als Okular wertvoll ist für die der anderen.

Das vertikale Narrativ, die zeitlichen Schichten und Schichtungen sind ja die Ladung, um die unsere Leben kreisen, bewusst oder unbewusst – darum empfinde ich Dein Verfahren als eine Thematisierung des chronistischen Akts an sich, eines Akts, der von Hingabe und echtem Interesse zeugt am sich verändernden Gegenüber und dem sich verändernen Selbst.


J.G.

Shooting Ghosts – Thomas J. Brennan, Finbarr O´Reilly

A US Marine, a combat photographer, and their journey back from war


The Israeli military psychologist Ben Shalit … concluded that experiencing combat reduces fear of death and injury. His study also suggested that the greatest psychological burden placed upon warriors is the fear of being unable to meet the obligations in combat – namely, the responsability towards fellow fighters. … was one of the most significant factors contributing to psychological injury and breakdown


The vanishing act photographers must perform in pursuit of their craft is captured by the american novelist Hanya Yanagihara in an essay for the New Yorker: If love belongs to a poet, and fear to the novelist, then loneliness belongs to the photographer, she writes. To be a photographer is to willingly enter the world of the lonely, because its an artistic exercise in invisibility. The person with the camera is not hiding but receding. To practise this art requires first a commitment to self-erasure

Shooting Ghosts

Violence – Brad Evans, Natasha Lennard


Brad Evans and Natasha Lennard have created, alongside their interview subjects, a kaleidoscopic exploration of the concept of violence, in terrains expected and not, in prose taut and unexpectedly gorgeous. Their philosophical rigor provides the reader with an intellectual arsenal against violence of the current moment

Histories of Violence

december 2020



december 30th



december 28th

december 27th

december 25th


december 24th
more …

Exploring the layered histories of Dhaka – The Daily Star



Over the time, Lost Panorama has grown into a one of a kind institution in Bangladesh, perhaps, the only of one of its kind as it showcases a living and lived experience of history. With the help of cultural heritage consultants, Steven C. Dinero and Wolf Böwig, Anthony Loopmans as strategic advisor and Lopa Roy as artistic director, the team brings to all of us a truely refreshing overview of Bangladesh we only read in the textbooks, but never get to feel or experience



Lost Panorama

6. | 13. | 20. Dezember 2020 – im Gespräch mit Wolf Böwig

SIGNUM MORTIS | 40.555

40.555 ist eine aktuelle Installation von Wolf Böwig, die ganz in der Tradition des „say their names“ einen Klage- und Erinnerungsort für jene 40.555 Menschen schafft, die seit 1993 an den europäischen Außengrenzen ihr Leben lassen mußten. Dabei wird die Liste ihrer Namen mit Arbeiten von Wolf Böwig und Texten des Historikers Habbo Knoch profiliert, die am Beispiel der jugoslawischen Tragödie in Bürgerkrieg, Renationalisierung und Flüchtlingsabwehr das Panoptikum der Entmenschlichung eröffnet, deren Opfer sie gedenkt


Die Installation wird auf dem Weißekreuzplatz in Hannover in Kooperation mit der Seebrücke Hannover realisiert und steht in Begleitung der Ausstellung SIGNUM MORTIS, die vom 05. bis 20.12. an der Fensterfront des Kulturzentrum Pavillon zu sehen sein wird

zwei Personen | Haushalte:

6. Dezember
14.00 – ausgebucht
14.30 – ausgebucht
15.00 – ausgebucht

13. Dezember
14.00 – ausgebucht
14.30 – ausgebucht
15.00 – ausgebucht

20. Dezember
14.00 – ausgebucht
14.30 – ausgebucht
15.00 – ausgebucht

Treffpunkt
Kulturzentrum Pavillon

Anmeldung unter
Wolf Böwig – wboewig@gmx.de

Things I didn’t know I loved

by Nazim Hikmet

it’s 1962 March 28th
I’m sitting by the window on the Prague-Berlin train
night is falling
I never knew I liked
night descending like a tired bird on a smoky wet plain
I don’t like
comparing nightfall to a tired bird

I didn’t know I loved the earth
can someone who hasn’t worked the earth love it
I’ve never worked the earth
it must be my only Platonic love

and here I’ve loved rivers all this time
whether motionless like this they curl skirting the hills
European hills crowned with chateaus
or whether stretched out flat as far as the eye can see
I know you can’t wash in the same river even once
I know the river will bring new lights you’ll never see
I know we live slightly longer than a horse but not nearly as long as a crow
I know this has troubled people before
and will trouble those after me
I know all this has been said a thousand times before
and will be said after me

more …

RIP: Karsten (1966-2020)


„keep distance“ – Cologne 1998



doch den jungen Fotografen, Kamerateams und schreibenden Journalisten vielleicht, wenn sie in zukünftige Kriege reisen. Doch die Management-Riege der immer dominanter werdenden internationalen Nachrichtenagenturen hat weder Interesse, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter, noch deren Sicherheit zu verbessern. Zu lang sind die Bewerberschlangen vor ihren Büros, zu bequem die Sessel hinter ihren Schreibtischen.

Karsten Thielker

Brennendes Licht – Volker Weidermann


Weit mehr als eine Biographie ist hier gelungen. Ein Geschichtsbuch, das zugleich scharfsichtig ist und literarisch feinsinnig. Versteht sich, dem Hörbuch fehlen Bilder und Quellenangaben; dafür genießt man – und es ist wirklich ein Genuss! – den Vortrag des Schauspielers Burghardt Klaußner. Mit wachem Gespür für Dramaturgie wechselt er Tempo und Tonlagen, von Szene zu Szene, von Satz zu Satz. Und er schafft immer wieder Momente, bei denen einem der Atem stockt. Momente wie diesen. Da trifft Egon Erwin Kisch seine Freundin Anna Seghers auf einer Straße in Mexiko-City, im September 1945.

„Er blickte mir, ohne zu lächeln, entgegen, selbst in seinen Augen funkelte es nicht. Seine ganze Person drückte unendliche Müdigkeit und Trauer aus. ‚Egonek!‘ sagte ich erschrocken, ‚der Krieg ist doch zu Ende!‘ ‚Eben‘, er seufzte, hängte sich schwer in mich ein, wie jemand, der Halt sucht. ‚Was werden wir jetzt alles erfahren. Das ganze unfassbare Sterben“



Anna Seghers in Mexiko

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