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Wo Gnade stattfinden kann, muss ein persönlicher Gott sein, der angesprochen werden und der antworten kann. Das gilt nicht nur für die Figur Zeitblom. Thomas Mann sprach im eigenen Namen am Ende der Rede Deutschland und die Deutschen: „Der Gnade, deren Deutschland so dringend bedarf, bedürfen wir alle.“ Das ist am Schluss der Rede nicht die einzige Hoffnung. Vielmehr kann Deutschland an einer „sozialen Weltreform“ teilnehmen, die Thomas Mann erhoffte. Sozialistischer Weltbau und Gottes Gnade standen im Denken des Redners nebeneinander. So steht im Doktor Faustus der gottgläubige Zeitblom neben dem modernen Gottesleugner und Teufelsbündner Leverkühn. Leverkühn musste Theologe werden, weil sowohl der legendäre Faust als auch Nietzsche eine Zeit lang Theologie studierten. Aber Leverkühn glaubte nur zeitweise, und sein Glaube war von Anfang an zweifelhaft. Er studiert Theologie, um dem Dünkel seiner kalten Überlegenheit entgegen zu wirken, nimmt sie für eine Über-Philosophie. Zeitblom zitiert.
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Alfred Neumann ist beeindruckt von der „Parallelisierung verderblicher, in den Collaps mündender Euphorie mit dem faschistischen Völkerrausch“, nachdem Thomas Mann ihm den Plan des Romans entwickelt hat.
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Eine ist „die Tatkraft an sich“, die dem jungen Leverkühn in Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 entgegentritt und die Leser an Goethes Faust erinnert, eine andere spricht von dem „ewig sich selbst denkenden Denken, das wir ‚Gott‘ nennen“. Das ist kein persönlicher Gott, zu dem man beten könnte. Als Leverkühn schon bereit ist, die Theologie zu verlassen, schreibt er an seinen Lehrer Kretzschmar, er sei in die Theologie geflohen, um sich das Bedürfnis abzugewöhnen, über die „geheimnisvoll-eindrucksvollsten Erscheinungen lachen“ zu müssen, habe aber in der Theologie „eine Menge entsetzlicher Komik“ gefunden . In seiner Bußrede bekennt er, er habe „wegen des anderen“ Theologie studiert. Gott und Teufel sind ihm gegensätzliche Aspekte der großen Ganzheit alles Seins, der Teufel repräsentiert deren negative Seite, den Nihilismus der Moderne. In diesem Sinn ist eine Äußerung Leverkühns in dem Brief an seinen Musiklehrer Kretzschmar zu verstehen: „alles ist und geschieht in Gott, besonders auch der Abfall von ihm“
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Russlands verlorener Kompass – Vontobel Schriftenreihe
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Russland sei, so Churchill, „a riddle wrapped in a mystery inside an enigma“
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Mittlerweile verbreitet das Putin-Regime den Glaubenssatz, die Geschichte sei in Russland an ihrem Ende angekommen … Aus diesem Grund gibt es für das offizielle Russland jenseits einer ewig andauernden Gegenwart keine Zukunft mehr. Die Zeit fliesst wie ein breiter Fluss in das endlose Reservoir der ewigen Gegenwart. Der Strom der Geschichte hat sich in den putinistischen Ozean ergossen.
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Lebedew warf Nawalny vor, sich auf die Korruptionsbekämpfung zu konzentrieren. In einem Interview sagte er: „Mit gefriert das Herz, wenn ich sehe, wie sehr die Wertepyramide sich verkehrt hat. Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit wiegen hundert Mal schwerer als alle gestohlenen Geldsummen. Für mich ist in Russland das komplette Versagen des moralischen Kompasses das Schlimmste“.

Ich will tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen … um alles, was nicht Leben war, davonzujagen sagte Thoreau sagte Thilo sagte Habbo
february 23rd

100+: tulip, hyacinth, creambeauty crocus, daffodil, muscari&blueshade – february 22nd

february 21st

Buchhandlung Hemmingen
Deveser Straße 2
30966 Hemmingen


diverse Techniken unter mattem Firnis
15Euro | Stk.
ab 17.2.
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february 15th
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Wer bis zum Ende bleibt – Erfahrungsberichte aus dem Krieg im Gazastreifen
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Offiziell ist der Krieg vorbei, dennoch bleibt die Lage in Gaza unvorstellbar dramatisch.
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Wer bis zum Ende bleibt
Unter diesem Hut steckt Utopia – eine Lange Nacht über Joseph Beuys
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Aber es war total fremdartig, dieses Zurücknehmen, auf diesen vielen Skizzen mit ein paar Bleistiftstrichen, die virtuos geführt wurden. Beuys ist der erste Künstler, von dem man das Gefühl hatte, er kann mit dem Zeichenstift alles ausdrücken. Das geht alles wie aus dem Impuls heraus, kommt direkt aus einem Gehirn und weil das Gehirn im Funktionieren natürlich unzugänglich und fremd war, man war noch nicht vertraut damit, waren einem auch die Zeichnungen fremd und unzugänglich.
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J.B.
Nein, Zeichnungen sind nicht dazu da, Kunst überhaupt ist nicht dazu da, dass man sie versteht in diesem Sinn von formaler Logik, im Sinnzusammenhang von Verstehen. Sondern Kunst ist ja dazu da, dass sie das Sensorium und die Sinneswahrnehmung des Menschen erhellt, nach Möglichkeit erweitert. Also dass Sensorium des Menschen entwickelt. Dass es eine sinnliche Wahrnehmung entwickelt und die höheren Form des Denkens anregt, als Intuition, als Imagination und Inspiration.
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Unter diesem Hut steckt Utopia
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An den Grenzen der österreichisch-ungarischen Monarchie gab es damals viele Männer von der Art Kapturaks. Rings um das alte Reich begannen sie zu kreisen wie die schwarzen und feigen Vögel, die aus unendlicher Ferne einen Sterbenden eräugen.
Mit ungeduldigen und finsteren Flügelschlägen warteten sie sein Ende ab. Mit steilen Schnäbeln stoßen sie auf die Beute. Man weiß nicht, woher sie kommen, noch, wohin sie fliegen. Die gefiederten Brüder des rätselhaften Todes sind sie, seine Künder, seine Begleiter und seine Nachfolger.
Kapturak ist ein kleiner Mann von unbedeutendem Angesicht. Gerüchte huschen um ihn, fliegen ihm auf seinen gewundenen Wegen voran und folgen den kaum merklichen Spuren, die er hinterläßt. Er wohnt in der Grenzschenke. Er verkehrt mit den Agenten der südamerikanischen Schiffahrtsgesellschaften, die jedes Jahr Tausende russischer Deserteure auf ihren Dampfern nach einer neuen und grausamen Heimat befördern.
Er spielt gerne und trinkt wenig. An einer gewissen gramvollen Leutseligkeit läßt er es nicht fehlen. Er erzählt, daß er jahrelang den Schmuggel mit russischen Deserteuren jenseits der Grenze betrieben und dort ein Haus, Weib und Kinder zurückgelassen habe, aus Angst, nach Sibirien verschickt zu werden, nachdem man mehrere Beamte und Militärs ertappt und verurteilt hatte. Und auf die Frage, was er hier zu machen gedenke, erwidert Kapturak, bündig und lächelnd: „Geschäfte.“
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Radetzkymarsch