2018_Boewig_FAZ_Juni

FAZ; 7.6.2018

GTR; Teil 5

von Habbo Knoch

Delhi – Gestaut: Der Connaught Place im Zentrum von Neu-Delhi – kreisrund, ein Strahlenkranz wichtiger Verbindungsstraßen, in mehreren Ringen üppig umbaut. Die einhundert Jahre alte Oase der Moderne steht für einen kolonialen Traum: Indien als Planstadt. Doch er zerschellte am gewieften Eigensinn von Freiheitskämpfern wie Gandhi oder Talwar, dem Meisterspion. Als „Silver“ pendelte er gewandt zwischen Afghanistan und Indien, schickte aus dem Königspalast falsche Nachrichten an die Nazis und hielt fünf Großmächte auf Trab. Ein Muster fürs Ganze: Der Subkontinent lernte Demokratie, eine mit starken Führern und flexiblen Regeln. Neuerdings hat ein nationalistischer Hinduismus die Hauptstadt übernommen – mit Modi als Superheld. 2002 ließ er den antimuslimischen Pogrom im Gujarat geschehen. Mit seinen Triumphen werden die Feindlinien neu gezogen. Nun begeht „Verrat“, wer Rindfleisch isst, muslimisch glaubt oder beides tut. Wird Religion derart politisch, gerät die Toleranz schnell ins Gedränge der Gewalt und vermag keine Kreise mehr zu ziehen.

 

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Edition Galerie Peter Sillem: Wolf Böwig, Nordostpassage

Einmalige Edition in einer Auflage von zwölf Exemplaren mit je zwölf farbigen Blättern. Archival Pigment Prints auf Hahnemühle Bamboo 290g/qm, vom Künstler signiert, nummeriert in individualisierter Mappe

Exklusiv über Galerie Peter Sillem

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FAZ; 26.4.2018

GTR; Teil 4

von Habbo Knoch

Shimla Geteilt: Stundenlang hat sich der überfüllte Zug im nordindischen Himalaya auf mehr als zweitausend Meter gequält. Nach Hunderten von Kurven, Brücken und Tunneln ist die frühere Sommerresidenz der britischen Krone erreicht. Inzwischen starten in Shimla sichere Rundreisen. Doch die Ruhe trügt. Wie Rom auf sieben Hügeln gebaut, hat auch diese Stadt so viele Verhandlungen wie Enttäuschte gesehen. Drei Abkommen schnitten im 20. Jahrhundert mit ihren „lines of control“ die stolzen Regionen Kaschmir und Tibet zurecht. Sie rissen Wunden in Staaten wie die häufigen Blitze in den bedrohlich dunklen Berghimmel. Drei Kriege brachten keinen Frieden. Indien und Pakistan legen ihre Lunten weiterhin unnachgiebig an das „Pulverfass“ Kaschmir. Dort zündeln lange geduldete Autonomie, willkürliche Teilungen, staatliche Unterdrückung und religiöse Konflikte. Auch nach mehr als 40.000 Toten allein in den letzten dreißig Jahren fliegen in der Hauptstadt Srinagar weiterhin „Stones of Fury“, wie das Magazin„Frontline“ titelt. Und nicht nur Steine.

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The Banovina Files: “Who else, if not them”

“There was a guy who was captured in the war when he was very young.
He was held in one of the prisons in Banovina, beaten up daily. But the
worst thing for him were the exchanges of prisoners. He was taken several
times to be exchanged, unsuccessfully. This was worse than all the beatings,
than the barrel of a gun down his mouth. He had a dream he’d killed
someone, he said,I don’t know whether I’d really killed someone, they
were shooting at us, we were shooting at them, what happened on the
other side I don’t know, but I have a dream of someone coming over to
me from the ‘other side’, and asking ‘Why did you kill me?’
(Patient der Psychiatrischen Klinik Popovaca)

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FAZ; 22.3.2018

GTR; Teil 3

von Habbo Knoch

Kalkutta Überfordert: Wer nicht fliegt, braucht für die zweihundertfünfzig Kilometer von Dhaka nach Kalkutta (Kolkata) gut einen Tag. Hier waren 1947 und 1971, als Indien und Bangladesh entstanden, Millionen auf der Flucht, zumeist Hindus. Bengalens Schmelztiegel Kalkutta litt als „sterbende Stadt“ und die Welt mit Mutter Theresa. Wie Blut hingegen schimmert ein anderes Wahrzeichen: das von Kolonialbauten gesäumte Bassin Lal Dighi. An dessen Rand bündelt eine sauber abgetrennte Hand wie zufällig die immer wieder aufbrechende Gewalt. Als spätes Erbe der britischen Herrschaft spukt auf den Straßen von Kalkutta ein besonderer Geist der politischen Revolte. Genau wie im von Armut gezeichneten Narkeldanga Distrikt, wo schon damals Zehntausende sehnsüchtig auf die Verkündung der neuen Freiheit warteten. Doch befreit sind hier nur die wenigsten – wie so viele Gestrandete und Heimatlose in einer Stadt, die seit langem auf ihren Aufbruch zu warten scheint.

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Ausstellungskonzept

Tiefe Einblicke in Krisenregionen entfalten sich in Gestalt bedruckter, perforierter Bildbahnen, die vielfältig angebracht, ausgelegt und genutzt werden können. Nicht das Einzelbild in Edelmatt liegt hier vor einem, sondern dichte, fein gewobene Reportagen als dokumentarische Erzählungen aus Fotografien, Bildern von Artefakten, Texten und Zitaten…

Prof. Dr. Habbo Knoch
Historisches Institut, Universität zu Köln

exhibit out of a box

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EDITORS NOTE: Graphic content / A Syrian man rescues a child following a reported regime air strike in the rebel-held town of Hamouria, in the besieged Eastern Ghouta region on the outskirts of the capital Damascus on February 21, 2018.  / AFP PHOTO / ABDULMONAM EASSA        (Photo credit should read ABDULMONAM EASSA/AFP/Getty Images)

The World Must Act Now on Syria – an open letter

The United Nations says it has run out of words on Syria, but we, the undersigned, still have some for the governments, parliamentarians, electorates, and opinion leaders of the powers upon whom the international legal order has hitherto depended.

The world is a bystander to the carnage that has ravaged the lives of Syrians. All has happened in full view of a global audience that sees everything but refuses to act …

NYRdaily
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FAZ; 14.2.2018

GTR; Teil 2

von Habbo Knoch

Dhaka – Geladen: In den alten Gassen von Dhaka, Bangladeshs rasant wachender Slummetropole am Ufer des verseuchten Burigonga, leben Muslime, Hindus und Christen dicht an dicht zusammen. Hier vergeht kaum ein Tag ohne Provokation, Zerstörung und Mord. Religiöse, soziale und politische Motive bilden ein unauflösbares Knäuel. Der Hauptkonflikt: Bengalische Hindus werden seit dem Unabhängigkeitskrieg von 1971 als „Verräter“ diskriminiert. Ihre heutigen Gegner, gut vernetzte Islamisten, haben in Old Dhaka eine willkommene Basis gefunden. Zu Ramadan lassen sie hier mehr Korane drucken, als es Macheten in Ruanda während des Völkermords gab. Gandhis Ideale sind so weit weg wie die königliche Weisheit des verehrten Elefanten. Es ist wie in Hermann Melvilles Erzählung „Bartleby, der Schreiber“: Die Gründe für Bartleby, das Gebotene zu verweigern, liegen im Dunkeln. Aber alles steuert unaufhaltsam auf die nächste Eskalation zu.

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FAZ.NET; 19.1.2018 – „Wahrhaftig sein, Auge in Auge“

Wolf Böwig ist Fotograf, Kriegsreporter, Weltreisender. Er hat die grausamsten Orte der Erde gesehen, aber auch ihre schönsten und geheimnisvollsten Winkel. In seinen Tagebüchern hingegen findet er zu sich

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