2019_02_20_Aufbau_Boewig

Jahrhundertautoren gegen den Krieg

Es muss einer den Frieden beginnen

Schreib das auf, Kisch! – Ein Kriegstagebuch

Ich versuchte die Frage, wer von uns nicht heimkommen werde, zu lösen, indem ich darüber nachdachte, wen von uns am wenigsten Verbindungslinien mit dem Leben verknüpfen. Ich glaube nicht, dass die Lostrennung vom Leben plötzlich erfolgen könne, ohne Rücksicht auf die Zahl und Festigkeit der Bande, die den Betroffenen an das Dasein ketten…

Egon Erwin Kisch

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Aufbau Verlag

another_day_of_life

…a film by Raúl de la Fuente and Damian Nenow

WARSAW, 1975: Kapuściński is a brilliant veteran journalist, an idealist and a friend of lost causes and revolutions  … at the polish press agency, he convinces his boss to send him to Angola where a bloody civil war has broken out on the eve of the country’s independence. He embarks on a seemingly suicidal road trip into the heart of the Civil War. There, he witnesses once again the dirty reality of war and discovers a sense of helplessness previously unknown to him. Angola will change him forever: it was a reporter that left Poland but it was a writer that returned

ANOTHER DAY OF LIFE

 

 

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FAZ; 7.2.2019

GTR Teil 12

von Habbo Knoch

Hairatan – Aufgerissen: Grenzorte sind Niemandsland. Was sich dort findet, ist meist austauschbar: Kontrollpunkte, Willkommensschilder, Friedensbrücken. Und dann ist man doch mitten im Krieg. Auch den Norden Afghanistans an der Grenze zu Usbekistan hat er in den letzten Jahren erreicht. Leben wird dort weggebombt. Ein Junge, der durch Ruinen läuft, erinnert an ein Bild von Paul Klee, den Angelus Novus, 1920 im München der Nachkriegswirren entstanden. Die Arme wie zur Segnung erhoben, der Mund weit offen, die Augen übergroß, vielleicht ein Redner. Der jüdische Philosoph Walter Benjamin sah darin etwas anderes. Im Pariser Exil schrieb er im März 1940 in der neunten seiner Thesen über den Begriff der Geschichte: „Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert.“ Ein Sturm „treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft“. Dieser Sturm – das war für Benjamin der „Fortschritt“. Durch die aufgerissenen Augen des Angelus Novus sehen wir ihn als das, was er ist: eine Macht, die Zerstörung hinterlässt. Der Junge hat keine Flügel. Was er sieht?

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lost and found: medico – Report 26 / August 2005

Im Inneren der Globalisierung – Psychosoziale Arbeit in Gewaltkontexten

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Im ersten Teil des vorliegenden Bandes geht es um einen Begriff dessen, was
Trauma in verschiedenen Kontexten bedeuten kann. Zum Einstieg beschreibt
Usche Merk die Erfahrungen von Trauma und psychosozialer Arbeit am Beispiel
der medico-Geschichte. Die Praxis, die sich auf dem Hintergrund post-diktatorischer
Gesellschaften entwickelt hat, muss sich heute den Auswirkungen nicht-staatlicher
und innerfamiliärer Gewalt stellen und eine radikale Ethik gegen jegliche Art der
Instrumentalisierung und des Missbrauchs entwickeln.
Die Strukturmerkmale und Veränderungen, die die aktuellen bewaffneten Konflikte
prägen, erläutert der Beitrag von Anne Jung am Beispiel der jüngsten Bürgerkriege
in Afrika. Diese sind eingebunden in einen globalen Kampf um Rohstoffressourcen,
in der allein lokale Gewaltökonomien die Zugänge verwalten und kontrollieren.
Fernando Suazo beschreibt in seinem Text, wie Kultur und Identität zu einer Ressource
der guatemaltekischen Mayas werden, sich mit dem psychosozialen Trauma
zu konfrontieren und ihre Anerkennung als Subjekte einzuklagen.

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Zwei Jahre, fünf Kriege später – Život umjetnosti 103/2018

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Život umjetnosti 103/2018

 

Text: Ivona Grgurinovic

Konzept, Fotografie und Collage: Wolf Böwig

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Charles Taylors Kriege endeten 2003, heißt es. 2012 wurde er vom UN-Sondergericht für Sierra Leone zu fünfzig Jahren Haft verurteilt. Er verbüßt sie in der malerischen nordenglischen Stadt Durham. Die Ungerechtigkeit des Krieges ist schnell, ungeduldig und gleichgültig, sie teilt Schläge aus, ohne Fragen zu stellen. Die Gerechtigkeit der Nachkriegszeit ist langsam und gründlich und eröffnet Chancen.

Diese Chancen blieben verwehrt:

Lucy Lansana
Baby Cenci
Mariama Soaré
Uata Bockarye
Lamine Conowy
Jussu Morana
Kafa Morana
Tiange Lahal
Massah Kokima
Braima Caulker
Suleyman Morana
Mariana Morana
Kadi Cenessi
Foday Cassó
Momu Bendu
Gassumu Kandó
Hawa Siaka
Lahai Yorgboh
Braima Lamine
Wamen Soko
Massa Cissé
Morie Massalé
Sina Mahe

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FAZ; 3.1.2019

GTR Teil 11

von Habbo Knoch

Salang – Geschlagen: Die Ernüchterung über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan hat Tradition. Am Hindukusch ist kaum etwas zu gewinnen. Dennoch war die Sowjetunion 1979 siegesgewiss: Die Anlage des zeitweilig höchst gelegenen Straßentunnels der Welt unterhalb des Salang-Passes sollte einen leichten Weg in den Süden des Landes ebnen. Vergeblich. Seitdem ist das Land im dauernden Ausnahmezustand. Immer wieder kehrt der Krieg auch nach Salang zurück. Die Region hielten die Taliban und ihre Radikalisierung des Religiösen jahrelang in Acht und Bann. Bis heute zerstören Anschläge immer wieder Hoffnungen auf Frieden. Ob Salang, das Flüchtlingsmädchen aus den Bergen, ihn je erleben wird? Ohnehin zählt der Staat in den autonomen Stammesgebieten der „Afpak“-Region, wie Militärs das Krisengebiet nennen, nicht viel. Wer hier keine Waffe hat, braucht viel Gottvertrauen. Doch hüte sich, wer der einen oder anderen Regierung zu nahe tritt: Geheimdienstberserker beweisen einander zu gern ihre Autorität. Schlagen sie zu und lassen ihre Opfer dann am Grenzsaum einfach liegen, dauert der Weg ins andere Land länger als ohnehin schon, nicht ohne Opium gegen den Schmerz und zynische Patronenspiele mit Soldaten. Genauso ist es Glückssache, in Kabul einem Selbstmordattentäter zu entkommen.

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FAZ; 6.12.2018

GTR Teil 10

von Habbo Knoch

Peshawar – Ausgespielt: Die Menschen im Schatten des legendären Chaiber-Passes leben seit jeher vom Handel. Statt tiefblauem Lapislazuli und edlen Persianern gibt es heute Handgranaten für ein paar Dollar und Drogen im Kilopack. Der Staat ist so weit weg wie der Gipfel des K2. Denn hier, am östlichen Rand ihrer autonomen Stammesgebiete, herrschen die Paschtunen. Für sie ist die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan die poröse Fiktion eines Staates, den sie nicht anerkennen. Sie haben das „Great Game“ zwischen England und Russland um diese strategisch wichtige Region im 19. Jahrhundert gewonnen. Seit 1979 wiederholt es sich: Peshawar hat sich explosionsartig ins brandgefährliche Epizentrum islamistischen Terrors verwandelt. Schon 2001 fiel ihm der „Löwe vom Pandjshir“ im Widerstand gegen die Taliban zum Opfer, Ahmad Schah Massoud, die Hoffnung der muslimischen Demokraten. Wie eine Metapher auf diese Gewalt lieben die Menschen in Peshawar das traditionelle Buzkashi. Als gäbe es kein Morgen wird vom Pferd aus um einen toten Ziegenkörper gerungen. Die Reiter sind Abhängige: Reiche Clans verbinden Bestechung, Glückspiel und Geldwäsche mit dem Kampf um Ehre und Macht. Ein paar Schritte, wenige Momente weiter wird aus dem gespielten Krieg – blutiger Ernst.

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